Pferdefotografie in Esslingen, Göppingen, Baden-Württemberg, Deutschland und weltweit

Geschichten die das Leben schreibt

29. September 2018/Geschichten

Geschichten erzählen ist mein Ding 🙂 Gern schreibe ich Gedanken, Erinnerungen und Erfahrungen nieder, verpackt in kleinen Stories, die hoffentlich Freude beim Lesen bereiten. Hier erzähle ich ab und an eine Geschichte, die Ihnen Einblick in mein Leben, in meinen Beruf der Pferdefotografin gibt.

 

Den Anfang macht eine Story, die die Frage beantwortet, wie ich zur Pferdefotografie kam. Viel Spaß beim Lesen.

Wie kam ich zur Pferdefotografie?

Oft schon fragten mich Freunde, Bekannte und Kunden, warum und wie ich Pferdefotografin wurde. Dazu möchte ich hier auszugsweise eine Geschichte erzählen, die im Roman „Grundglück“ nachgelesen werden kann.

… Es war mitunter so unsagbar schwer, der Wahrheit ins Auge zu schauen. Dem Rappen ging es schlecht. Dass das wunderschöne Tier leidet, permanente Schmerzen ertragen muss, nein, das wollte Lisa auf keinen Fall. Einfaches Schmerzmittel brachte schon gar keine Linderung mehr. Sie rief Cilly an und bat sie, in den Stall zum Rappen zu kommen. Die kam so schnell es ging, denn in Lisa’s Stimme schwang panische Dringlichkeit. Sie traf Lisa in der Box, mit vom Weinen verquollenen Augen.

„Lisa!“, sagte Cilly sanft „Was ist passiert?“

„Cilly, ich kann diesem tollen Pferd die starken Schmerzen nicht mehr zumuten. Der Doc hat ihm vorhin Morphium gespritzt, damit es etwas erträglicher für ihn ist.“ Lisa kamen erneut die Tränen. „Wir werden ihn morgen einschläfern.“

„Ach Lisa …“ Cilly nahm ihre Freundin in den Arm und sagte nichts mehr. Sie war einfach nur da. Und diese Nähe tat Lisa gut, sie beruhigte sich ein wenig.
Nach einer Weile fragte Cilly: „Weißt du, wie die traurigen Gedanken etwas gemildert werden?“

„Nein, da kann ich mir beim besten Willen nichts vorstellen.“ Lisa musste sich erst einmal die Nase putzen.

„Stell‘ dir vor, der Rappe geht über eine Regenbogenbrücke. Er wird dabei immer stolzer und schöner. Sein Fell glänzt, er schreitet selbstbewusst voran. Seine Mähne weht im Wind. Am Ende der Brücke wird es immer heller und plötzlich wiehert er mit all‘ seiner Kraft. Dann dreht er sich noch einmal um, grummelt in deine Richtung. Genauso, wie er dich immer begrüßt hat, weil er wusste, du hast eine Karotte dabei. Er blickt lange zu dir, bevor er seinen Kopf majestätisch in Richtung des Lichts dreht und erhaben los trabt. Am Ende der Regenbogenbrücke ist die Wiese saftig grün und viele Pferde begrüßen ihn wiehernd. Er ist angekommen.“

„Wie schön das klingt.“

Der Doc kam pünktlich. Das Pferd zitterte am ganzen Körper, sein Blick war gebrochen. Lisa drehte sich bei diesem Anblick das Herz im Leib um. Sie streichelte seinen Kopf. Ob der Rappe das noch spürte? Was wird in dem Tier jetzt wohl vorgehen? Panik? Nur Schmerz? Resignation?

„Lisa, halt bitte den Kopf. Ich gebe zunächst ein Narkosemittel. So schläft er wie zu einer OP. Danach injiziere ich das Gift.“ Die Narkose wirkte schnell. Der Rappe fing an zu schwanken, sein Kopf war tief. Er verlagerte sein Gewicht nach hinten, die Hinterbeine knickten ein und der schwere Körper sackte zusammen.

Lisa kniete sich neben das Pferd, nahm den Kopf auf ihren Schoß und streichelte ihn. Dabei schluchzte sie leise in sich hinein. Cilly stand daneben und konnte vor lauter Tränen kaum etwas sehen.
„Mach’s gut, mein Schwarzer. Danke für alles. Es geht dir gleich besser.“ Lisa sprach zu ihrem Pferd. „Ich werde dich immer in meinem Herzen tragen, du warst etwas ganz Besonderes.“

Der Doc setzte das Tötungsmittel. Es dauerte nur einen Bruchteil an Zeit und das Pferd war tot. …

Dieses – mein Traumpferd war nun von all‘ seinen Leiden erlöst. Dass mein Cincinnati jetzt mit vielen anderen Pferdekumpels über die große grüne Wiese der Ewigkeit galoppieren konnte, schenkte mir eine heiße Welle voller Glücksgefühl. In dem Moment, als sich seine Seele auf den Weg machte – genau in diesem Moment – fielen alle Sorgen und Nöte von mir ab und eine befriedigende Ruhe ergriff Besitz von mir.

Unzählige Gedankenfilme über unsere gemeinsamen Stunden liefen in meinem Kopf. In meinem Herzen hatte das wundervolle Pferd seinen unverrückbaren Platz. Aber was hatte ich an Bildern, an Fotos, die ihm gerecht wurden? Nichts! Nichts außer Fotos eines grasenden Pferdes. Nichts außer unscharfen Bildern beim Reiten. Nichts außer ein paar Aufnahmen nach einem ausgiebigen Schlammbad. Auf alle Fälle nichts, was seine edle Erscheinung und sein treues Wesen treffend darstellte!

Der Kummer und der Verlust meines vierbeinigen Freundes verließen mich lange nicht. Doch meiner Liebe zu allen anderen Pferden tat das keinen Abbruch. Und so kam eins zum anderen: So wie mir sollte es keiner pferdeliebenden Person mehr ergehen! Einmalige Fotos sollten die Pferde zeigen, wie sie sind und wie sie im Herzen des Menschen leben!

Die Kamera, mit der ich schon viele Jahre Landschaften und die Familie fotografierte, gab es schon. Nun galt es „nur“ noch, die Raffinessen der Fotografie von Pferden zu erlernen. Interessante Lehrjahre begannen. Oft geriet ich an scheinbare Grenzen: zu dunkle Fotos, unscharfe Augen, ausgefressene Farben, zu krasse Kontraste, keine gute Trab- oder Galoppphase … Die Grenzen waren aber eben nur scheinbar. Nichts hält mich so schnell auf, wenn eine Idee in meinem Kopf sitzt, die nach Umsetzung schreit. Mein Plan hieß „Pferdefotografin werden“. Nach vielem Lernen, Ausprobieren und Verstehen gelangen bald regelmäßig gute Fotos. Die ersten Aufträge im Freundeskreis bestärkten mein Vorhaben. Weiter lernen, weiter Neues probieren, weiteres Verstehen – und das ständig – brachten mich über viele Jahre dahin, wo ich heute stehe: zur gut gebuchten Fotografin, zur anerkannten Workshop-Leiterin, zur glücklichen Anbieterin von Reiter- und Pferdefotografie-Reisen. Darüber bin ich sehr glücklich.

Ich kann aus tiefster Überzeugung und aus eigenem Erleben wirklich jedem nur empfehlen: Träumt nicht euer Leben, lebt euren Traum! Egal was eure Leidenschaft ist, was euer Herz zum Klingen bringt. Vertraut eurem Gefühl! Findet Wege!