Edle Schönheiten im rechten Licht

Das Leben einer wilden Pferdeherde

25. Juni 2019/Geschichten

Groß war die Freude, als ich die wildlebende Pferdeherde mir so nahe entdeckte. Was für ein wunderschöner Anblick. Friedlich standen sie beieinander auf der roten Erde Afrikas und knabberten genüsslich die ihnen zur Verfügung gestellte Luzerne. Die anhaltende Dürre in der Savanne Namibias kam mir offensichtlich zur Hilfe – die Pferde wurden von den hier lebenden Menschen zu gefüttert. Dennoch beäugte mich der Leithengst – nennen wir ihn Sansibar – in Habacht-Stellung, als ich mich der Herde näherte. Natürlich hielt ich gebührenden Abstand, aber das konnte der Hengst ja nicht voraussehen.

Mir bot sich ein friedliches Bild. Die Stuten und Fohlen ließen es sich schmecken, wohlwissend um den Schutz ihres Hengstes, des starken Sansibar. Außerdem begleitete ein (noch) mitlaufender Junghengst, der Freddy, die Familie, der im Zweifelsfall den Schutz der Herde durch den Großen tatkräftig unterstützen würde. Ich registrierte diesen Herdenverband mit Glücksgefühl. Leben die Pferde, die in eine Herde mit „Leit“-Hengst und beilaufendem Junghengst unterwegs sind, doch deutlich sicherer und damit länger. Herden mit mehreren Hengsten sind stabiler.

 

Natürlich erprobte Junghengst Freddy den Kampf gegen den Rivalen, der Sansibar letztendlich doch ist, wenn es um die Bedeckung der Stuten geht. So konnte ich gefährlich anmutende Kampfspiele beobachten, die aber von den Freddy und Sansibar nicht bis zum Äußersten zelebriert wurden. Dennoch blieb mir zunächst der Atem stocken. Beeindruckend waren die Aktionen der beiden Pferdeherren nämlich schon! Da wurde getreten, gerempelt, gebissen, in die Knie gezwungen und einschüchternd gestiegen. Aber alles ohne ernsthafte Verletzungsabsicht der beiden.

 

Beinahe kam es mir so vor, als ob die Pferdeherren sich extra für meine Kamera so aufführten. Ich kam in den Genuss ganz atemberaubender Foto-Situationen. Sicherlich konnten sie sich noch an meinen Besuch vor einem Jahr erinnern 😉 , als wir die Herde schon einmal entdeckten. Damals an einem Wasserloch. Ungefähr 10 Minuten beschäftigten sich die Hengste kämpfend miteinander. Währenddessen fraßen die Stuten und ihre Fohlen gemütlich weiter.

Dann plötzlich – ohne für mich ersichtlichen Grund – war das Kampfspiel beendet und der Leithengst Sansibar wandte sich einer Stute und deren Fohlen zu, um zärtliche Liebkosungen zu verteilen. Freddy, der Junghengst tankte neue Kraft in Form von Luzerne.

Unglaublich schöne Momente!